15. September 2015

Buchtipp 3 Zonen Garten - Mit einfachen Schritten zum Naturgarten


Photo mady by Markus Gastl

Vor einigen Monaten wurde ich auf ein Buch aufmerksam, dass einen 3-Zonen-Garten beschreibt. Dieser soll die Natur in den Garten zurückbringen und durch Vorbild andere motivieren, das Gleiche zu tun, um Tiere und Pflanzen vor dem Aussterben zu retten. Der Autor hatte nach sieben Jahren Reisen das Bedürfnis der Natur etwas zurückzugeben und erstellte einen Garten mit drei Zonen: Der Pufferzone (Schutzzone), der Hot-Spot-Zone (Insektenreichtum) und der Ertragzone.

Ein, zwei Ausschnitte aus dem Buch:
""Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten jede Blume ein Unkraut"
Falls Sie einen fröhlichen Nachbarn haben, können Sie sich die Pufferzone in diese Richtung sparen. Falls nicht, ist die gewissenhafte Errichtung der Pufferzone umso notwendiger."

""Hier ist fetter guter Boden!" Übersetzt heisst das: "Für andere bunte Blumen nicht geeignet". Wenn Sie also eine vielfältige, bunte und dauerhafte Blumenwiese haben wollen, dann entfernen Sie die Nährstoffe - je radikaler, desto nachhaltiger für Ihre zukünftigen Blumen."

Es wird genau beschrieben und erklärt was zu beachten ist und alles wird gut begründet. Markus Gastl habe ich zu guter Letzt noch ein paar Fragen gestellt:


Wielange hat es gedauert bis du den Garten umgebaut hattest? 

Im Jahr 2007 habe ich begonnen die Fettwiese, also die ursprüngliche Ausgangsituation zu verändern. Erste Massnahmen waren das Pflanzen von 24 Apfel, Kirsch und Birnbäumen schön verteilt über die gesamte Fläche.
Am Haus wurde ein grösseres Stück für einen Gemüsegarten gepflügt.
Die Theorie, die letztendlich dahinter steckte, nämlich der DREI ZONEN GARTEN wurde mir langsam bewusst. 
Die weitere Gestaltung habe ich auf diese Drei Zonen ausgerichtet.
2012 war die Struktur des Gartens klar und er wurde in folgendes Buch aufgenommen: Gartenschätze in Bayern.


Wie bist du auf die Idee gekommen? 

Die Idee für das Konzept der drei Zonen war eine logische Entwicklung meiner Gedanken und Handlungen im Garten. Ökologische Zusammenhänge spielten dabei eine grosse Rolle. Dazu folgender Text aus dem Buch:

4.2. Die Zone B Die Hot-Spot-Zone
Es gibt eine große Anzahl  und Auswahl von Büchern zur Pflanzenbestimmung. Nicht jedes Buch ist für alle Zwecke gleich gut geeignet.
Der Klassiker Was blüht denn da? von Aichele teilt die Pflanzen nach Blütenfarbe und untergeordnet nach Anzahl der Blütenblätter ein. Ein einfaches und sehr häufiges System um den interessierten Laien schnell das Erfolgserlebnis des richtigen Namens der häufigsten Pflanzen zu liefern.  
Die Bücher dieser Kategorie sind handlich und gut geeignet für den Feldeinsatz.
Bücher, die nah verwandten Arten in eine Gruppe stellen, z.B. alle Storchenschnäbel oder alle Veilchen auf einer oder mehreren hintereinander folgenden Seiten, ermöglichen einen kompletten Gesamtüberblick. Im so aufgebauten Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands von Haeupler und Muer, ist fast die gesamte einheimische Vielfalt abgebildet. 4200 Pflanzen in Text und Bild werden hier abgehandelt. Nah verwandte Arten können so verglichen und dann sicher auseinander gehalten werden.
Diese nach Pflanzenfamilien geordneten Bücher sind schwer, oft mehrbändig und für ein intensives Studium zuhause ausgelegt.
Für das ökologische Verständnis  oder die Bewertung von Standorten sind die Lebensraumführer am besten geeignet. Hier stehen alle Pflanzen, egal  zu welcher Familie sie gehören oder in welchen Farben sie blühen, nach Lebensräumen geordnet in einem Kapitel.
Im Der große BLV Pflanzenführer von Caspari und Schauer sind folgenden Lebensräume und insgesamt 1500 Blütenpflanzen aufgeführt:

· Schutt- und Kiesplätze, Wege (78)
· Trockenrasen, Magerrasen, steinige Hänge, Mauern (70)
· Fettwiesen und –weiden (18)
· Gewässer, Moore, Sümpfe (66)
· Wälder, Waldränder, Gebüsche, Auen (120)
· Alpen (24)
· Meeresstrand und –küste (10)

Die Zahlen in den Klammern umfassen die Anzahl der Seiten, welche  den einzelnen Kapitel zugewiesen sind. Auf jeder Seite werden im Schnitt zwischen 4 und 5 Pflanzen dargestellt.
Eindrucksvoll ist eine Analyse dieser Zahlen. Unser häufigster Lebensraum, die Fettwiesen und –weiden in der hochgedüngten Flur (identisch dazu sind die Zustände in unseren Gärten), ist durch ein geringes Pflanzensortiment auf nur 18 Seiten dargestellt. Umgerechnet auf Arten ergibt sich eine Zahl von ca. 90 verschiedenen Pflanzen für die dieser Lebensraum optimal ist, ein niederschmetterndes Ergebnis für die Vielfalt.
Im Waldbiotop, unserer Zone A, der Pufferzone entsprechend, gibt es 120 Seiten Pflanzenvielfalt, d.h. so um die 600 mögliche Pflanzen.  Der Knaller aber sind die ersten beiden Lebensräume, zusammen 148 Seiten entsprechen 740 Arten. Das sind die sogenannten Hot Spots, die Zonen der Vielfalt. Hier kreucht und fleucht es  sicht- und hörbar. Wenn wir Vielfalt in den Garten holen wollen, müssen wir uns neben der Gestaltung einer reichhaltigen Zone A also verstärkt auf diese wertvollen Lebensraumkomplexe (Schutt- und Kiesplätze, Wege, Trockenrasen, Magerrasen, steinige Hänge und Mauern) konzentrieren. Das sind die Vorgabe und die Zielsetzung für unsere Zone B.  Ein Hot Spot bezeichnet in der Biologensprache eine Region, welche durch eine besonders hohe Artenzahl im Vergleich mit umliegenden Gebieten auffällt. Die Hot-Spot-Zone beinhaltet innerhalb  des  3 Zonen Konzepts die größte Anzahl von Blüten und Pflanzen. Hier leben die meisten Insekten.
Allen einzelnen, genannten Teilbereichen der Zone B ist die Nährstoffarmut des Bodens gemeinsam. Das ist das entscheidende Merkmal, unser Leitsatz in der Zone B heißt deswegen
„Armut schafft Vielfalt“
Zunächst erscheint dies als Widerspruch, aber bei genauer Betrachtung offenbart sich die geniale Funktionalität der Natur. Die vernetzten Zusammenhänge werden klar, wenn Sie sich näher mit der Anlage einer Blumenwiese beschäftigen. Sie verstehen dann, warum Sie in der Zone B keinen Humus brauchen oder sogar entfernen müssen.
Aber machen Sie sich noch einmal das Potential, welches Sie durch eine Veränderung der Lebensräume ausschöpfen können, klar.
Wenn  Sie  eine artenarme Fettwiese, geprägt durch Löwenzahn und Krausen Ampfer,  durch die Zonen A und B ersetzten, stehen den wenigen 90 Pflanzen eine unglaubliche Vielzahl von 1340 möglichen Pflanzen gegenüber. Wo sich die Schmetterlinge, Bienen und Hummeln lieber tummeln ist ohne Erklärung klar.
Mit den Lebensraumführern können Sie aber noch etwas anderes lernen. Wenn Sie eine Pflanze an einem Standort identifiziert haben, kennen Sie auf einen Schlag alle anderen Pflanzen, die an dem gleichen Standort ebenso wachsen können. Das ist eine sehr gute Entscheidungshilfe für die Aufwertung von Lebensräumen durch neue Pflanzen, die Sie noch nicht kennen. Der Kauf von Samen oder Pflanzen für eine gelungene Ergänzung wird so erleichtert. Sie lernen mit der Zeit über die vorkommenden und möglichen Pflanzen Standorte perfekt zu beurteilen.
Schlagen Sie beispielsweise in einem Lebensraumführer einfach den Giersch nach.  Sie werden überrascht sein über die vielen, schönen Pflanzen, wie das Wald-Hasenohr, die Große Sterndolde, das Große Hexenkraut oder das Weidenröschen, die auf ihre Entdeckung warten und die dem Giersch Gesellschaft leisten können.
Zugunsten der Vielfalt wird die Zone B ausschließlich mit abgemagerten Blumenwiesen und Steingartenanlagen aufgebaut. Dies entspricht am ehesten den Lebensraumkomplexen (Schutt- und Kiesplätze, Wege, Trockenrasen, Magerrasen, steinige Hänge und Mauern).


Photo: Markus Gastl

Das Buch dazu.

Was für Erfahrungen hast du seit der Fertigstellung damit gemacht?

Es ist tatsächlich so, dass bezogen auf die Gesamtfläche eine sehr deutliche Arbeitsersparniss zu erkennen ist. Wenn ich 7500 qm englischen Rasen mit Staudenbeeten hätte, wäre meine Zeit ausgebucht. Trotzdem funktioniert dieser Garten natürlich nicht ohne Arbeit. Aber die Tätigkeiten sind eingebunden in den Kreislauf der Natur und stabilisieren das Gesamtsystem. 
Die Hot Spot Zone, sowohl Steingärten und Blumenwiesen müssen irgendwann gemäht werden und das Mähgut muss entfernt werden. Genialerweise ist dieses Heu die Düngung für die Ertragszone.
Die Pufferzone schützt und umgibt das System.

Menschen, die sich ein wenig mit diesem System beschäftigen, erkennen ökologische Zusammenhänge und finden ihren eigenen Weg zum Traumgarten.
Das Hortus Netzwerk zeigt deutlich die Begeisterung, die entfacht werden kann.

Die Vielfalt an Tieren nimmt beständig zu. Gerade bei den Insekten stellen sich sehr schnell Erfolge ein. 


Photo mady by Markus Gastl

Vielen Dank an Markus Gastl für das Interview und die Fotos!


Die Webseite dazu heißt www.hortus-insectorum.de. Dort könnt ihr mitverfolgen, wie es immer mehr solcher Gärten gibt! Auf der Homepage seht ihr auch, wann und wo ihr den Garten besuchen könnt.

Kommentare:

  1. Ich arbeite an meinem neuen Garten genau nach dem Konzept! Dauert noch, macht aber richtig viel Spass.

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  2. Das Buch habe ich auch, nur den Garten habe ich noch nicht besuchen können, schade.
    VG
    Elke

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